Auch die bunte Heimat ist nicht mein Zuhause (Ausgabe #6)

Heimat verdeckt Ungleichheiten und bedeutet immer Ausschluss und Gewalt. Linke sollten sie deshalb bekämpfen, anstatt sich auf sie zu berufen.

– by Arnulf Zoo & Mika Stetter

Heimat liegt im Trend. Rechte wie auch Linke kommen ins Schwärmen, wenn sie von ihr sprechen. Was bei Rechten nicht überrascht, verwundert bei Linken. Warum eigentlich? Können Linke nicht auch eine Heimat haben – eine bunte, die für alle da ist? Wir sollten uns die Heimat doch nicht von den Rechten wegnehmen lassen, oder?

AN DER HEIMAT HAFTET WAS…

Die Rechten nehmen uns die Heimat nicht weg, sondern sie gehört ihnen und soll auch bei ihnen bleiben. Denn Heimat ist kein leerer Begriff, den Linke einfach neu besetzen können. Die Idee der Heimat ist immer in einem menschenfeindlichen Weltbild verhaftet und mit einem Rattenschwanz an Ungleichheit und Gewalt bis hin zu Mord verbunden. 

Die Rechten sehen ihre Heimat ständig in Gefahr. Dauernd muss irgendeine Bedrohung abgewehrt werden. Im Angesicht des permanenten Belagerungszustands werden Zusammenhalt und Standhaftigkeit beschworen.

Die Idee der Heimat ist in einem menschenfeindlichen Weltbild verhaftet und mit einem Rattenschwanz an Ungleichheit und Gewalt bis hin zu Mord verbunden.”

Dieser Zusammenhalt geht stets mit dem Ausschluss von anderen einher. Die Heimat kann nur existieren, wenn andere nicht in ihr existieren dürfen. All jene, die als zu schwarz, zu schwul oder zu faul eingestuft werden, müssen draußen bleiben; werden gehasst, verfolgt und ermordet. Begründet wird all das mit der Natur. “Die gehören hier nicht hin, sie sind einfach anders als wir”, heißt es dann. Dem wird das “natürliche Recht” der eigenen Leute auf ihren gemeinsamen Fleck Erde entgegengestellt.

Aber Menschen sind keine Bäume. Sie tragen keine Wurzeln, lassen sich nicht in „Arten“ kategorisieren und sind weder als einzelne, noch als Gemeinschaft natürlich mit ihrem Untergrund verbunden. Menschliches Zusammenleben ist immer im Wandel, Geburtsorte sind zufällig und Kultur und Gesellschaft nichts Starres.

KLASSENKAMPF STATT HEIMATLIEBE

Linke versuchen häufig, nur die vermeintlich positive Seite der Heimat –  den Zusammenhalt – für sich zu nutzen. Über den Bezug auf eine gemeinsame Heimat sollen alle Bürger_innen eines Landes angesprochen werden. Alternativ wird zur Rettung unserer “Heimat Erde” aufgerufen. Im Angesicht der Klimakrise sitzen wir alle im selben Boot, so die Idee. Doch weder im Falle Österreich, noch bei “der Erde”, kann von einem gleichberechtigten “Wir” gesprochen werden.

Wer aufgrund von Dürre oder Überschwemmung flüchten muss, sitzt nicht mit jenen im Boot, die Kohlefabriken besitzen oder sich Schießbefehle an der Grenze wünschen.”

Denn dieses Land ist genau wie der Rest der Welt von sozialer und politischer Ungleichheit geprägt. Wer aufgrund von Dürre oder Überschwemmung flüchten muss, sitzt nicht mit jenen im Boot, die Kohlefabriken besitzen oder sich Schießbefehle an der Grenze wünschen. Anstatt sich auf eine nationale oder globale Heimat zu berufen und so vorhandene soziale Ungleichheiten zu verschleiern, sollten sich Linke auf den Kampf gegen eben diese Ungleichheiten besinnen.

Mehr:

Heimat: Eine Besichtigung des Grauens
Ein Buch von Thomas Ebermann samt dazugehörigem Kulturprogramm: www.heimatfeindschaft.de

Kritik des Nationalismus
Ein einführendes Buch von Thorsten Mense aus der Reihe Theorie.org. 

Scroll to Top