Das Problem heißt Sexismus (Ausgabe #2)

Feminismus hat viel mit dem Nachdenken über das eigene Verhalten zu tun. Das betrifft gerade Männer*, da sie in der jetzigen Gesellschaft eine unterdrückende Position einnehmen. Sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen ist ein ziemliches Stück Arbeit. Immerhin leben wir schon unser ganzes Leben lang in einer sexistischen Gesellschaft. Wir haben das Verhalten Stück für Stück gelernt und immer wieder wiederholt. Ob bewusst oder unbewusst, Sexismus durchzieht die ganze Gesellschaft und damit auch unser Handeln. Hier wollen wir ein paar Beispiele für Situationen geben, über die man nachdenken sollte. Denn auch wenn es oft nicht auffällt, sind es auch jene Dinge, die Tag für Tag die sexistische Gesellschaft zementieren.

by UNTER PALMEN

1. “Also, was ich sagen wol-” “Jaja, also ich sehe das so…”

Menschen, die männlich erzogen wurden, haben oft ein unangenehmes Redeverhalten. Vor allem gegenüber Frauen*. Nicht ausreden lassen und ständiges Unterbrechen, nicht ernst nehmen oder einfach lauter werden – um ein paar Beispiele zu nennen. Darüber nach zu denken, wer wann wie viel spricht, ist wichtig. Sich einfach mal zurückzunehmen und andere sprechen zu lassen, ebenso. Gespräche ergeben nur dann wirklich Sinn, wenn man alle Stimmen zu Wort kommen lässt.

2. “Platz da!”

Auch körperlich machen sich vor allem Männer* breit. In Bars oder in den Öffis breitbeinig dasitzen. Auf Konzerten das T-Shirt ausziehen und ganz vorne den Raum für sich (und andere Männer*) beanspruchen. Solche Situationen gibt es viele. Sich rücksichtslos selbstgefällig Raum zu nehmen ist uncool. Auch wenn Menschen unterschiedlich viel Platz brauchen und wollen, viele schlagen sich tagtäglich damit herum, zu wenig davon zu haben.

3. “Kümmer du dich drum…”

Ja, Beziehungen führen ist auch anstrengend. Dabei geht es uns nicht nur um Liebe, auch um Freundschaften oder andere Beziehungen. Frauen* werden dabei oft in die Position gedrängt, sich um diese zu kümmern. Sei es, unangenehme Situationen anzu-sprechen, Geschenke für gemeinsame Freund_innen auszusuchen, Konflikte (verbal) zu lösen oder emotional zu unterstützen.
Frauen* und Männer* lernen von Kind auf jeweils nur bestimmte Emotionen zuzulassen und ausleben zu dürfen. Während zum Beispiel Frauen* nicht aggressiv werden dürfen, werden Männer* verurteilt, wenn sie weinen. Diese unterdrückten Emotionen sind dennoch da. Um Beziehungen angenehmer zu gestalten, ist es notwendig, dass alle Beteiligten über ihre eigenen Bedürfnisse und Emotionen sprechen. Beziehungsarbeit soll sich nicht auf eine Person beschränken.

4. “Lass mich das machen!”

Oft wird Frauen* ungefragt erklärt, wie sie etwas zu tun haben oder es wird ihnen einfach abgenommen. Beispielsweise wenn es ums Schleppen oder Autofahren geht.
Nochmal krasser wirds bei technischen Tätigkeiten: Da wird dann oft davon ausgegangen, dass Frauen* mit sowas gar nichts am Hut hätten. Egal ob Computer, Rasenmäher oder andere Werkzeuge bedienen – was Frauen* können und (angeblich) nicht können, scheint klar zu sein. Das ist nicht nur unnötig und nervig. Es verhindert auch, dass Menschen dazulernen und neue Sachen ausprobieren.

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